06.09.2015

Staubtrockener Lüneburg – Norderstedt lässt „die Kirche im Dorf“!

1275 Zuschauer! Starke Eintracht entzaubert „Rothosen“-U23

Der "Pistolero" schlägt doppelt zu: Jan Lüneburgs Jubelpose nach dem 2:0. Foto: noveski.com

„Das ist ja auch kein Gegner, den man mal eben aus dem Stadion schießt. Kicken können die.“ Mit dieser Meinung stand Eintracht Norderstedts Torjäger Jan Lüneburg nicht exklusiv da – denn an einem herrlich sonnigen Fußballnachmittag verirrten sich 1275 Zuschauer ins Edmund-Plambeck-Stadion (neuer interner Vereinsrekord), um ihre Eintracht anzupeitschen und mit einem Sieg im Derby gegen die U23 des HSV wieder an die Spitze des Regionalliga Nord-Tableaus klettern zu sehen. Gesagt, getan! Und eben jener Lüneburg hatte an dem abermaligen Triumphzug Norderstedts einen nicht ganz unwesentlichen Anteil.

Nach einer ersten Spielhälfte, die von viel Kampf und wenigen Fußballerischen Höhepunkten geprägt war, sollten die zweiten 45 Minuten wesentlich munterer werden. Die einzige echte Torchance vor der Pause hatten Marin Mandic und Deran Toksöz, der den Kopfball des Innenverteidigers nach einer Koch-Ecke mit den Haarspitzen an den linken Pfosten beförderte. Der Abpraller landete vor den Füßen von Lüneburg, der aus kürzester Distanz Tom Mickel zu einer Glanztat zwang, dabei aber im Abseits stand (37.). Durchgang zwei war noch keine 30 Sekunden alt, als Nico Charrier mit einem herrlichen Zuspiel Ahmet Arslan in Szene setzte. Dieser hatte die Großchance zur Führung, wurde aber vom hellwachen Juri Marxen im allerletzten Moment noch leicht gestört, so dass der Schuss des Mittelfeld-Allrounders weit am linken Eck vorbei flog (46.). Ansonsten war von Arslan nicht viel zu sehen. Die Eintracht verstand es gut, den Edel-Techniker zuzustellen und aus dem Spiel zu nehmen.

Lüneburg trifft, Koch serviert – „Nicht einstudiert“

Dass es sich bei jenem Abschluss von Arslan um die einzige wirklich zwingende Gelegenheit der „Rothöschen“ im gesamten Spiel handeln würde, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen. Aber die Eintracht übernahm mehr und mehr das Kommando, wirkte unheimlich ruhig und abgeklärt. Bei den Distanz-Versuchen von Neuzugang David Karg Lara (54.)und des starken Deran Toksöz (59.) fehlte jeweils nicht viel – beide Male verfehlte die Kugel das linke Toreck nur knapp. Der früh für den verletzten Linus Meyer eingewechselte Yayar Kunath zog wenig später über rechts zu einem Sprint an, wurde dabei recht rustikal von Ronny Marcos quer gelegt. Den fälligen Freistoß aus dem rechten Halbfeld schlug Eintracht-„Capitano“ Philipp Koch halbhoch und scharf auf den ersten Pfosten, wo Lüneburg völlig freistehend in den Ball hinein rutschte und ihn ins rechte untere Toreck beförderte – 1:0 (61.)! „Es war nicht einstudiert, aber ich hab angezeigt, dass ich den Ball gerne dort hin haben möchte, da der HSV nicht gegen den Mann, sondern im Raum verteidigt hat“, so Lüneburg.

Die Seeliger-Elf führte verdient und gewann immer mehr Sicherheit im eigenen Spiel. Das Gegenteil war bei den Gästen der Fall, die sich vermehrt Unkonzentriertheiten leisteten. Auf Unterstützung aus dem Bundesliga-Kader konnte Joe Zinnbauer indes nicht zurückgreifen. Viele Spekulationen im Vorfeld, dass sich Neuzugang Aaron Hunt eventuell Matchpraxis in der U23 holen oder der eine oder andere Profi, der nicht mit der Nationalelf unterwegs ist, bei Zinnbauer aushelfen könnte, wurden im Keime erstickt. Sieben Zeigerumdrehungen waren indes noch auf der Uhr, als der HSV II einen Einwurf schlampig ausführte und katastrophal in der Defensive arbeitete. Plötzlich war Jan Lüneburg nach einem „Rückzieher-Befreiungsschlag“ von Philipp Koch auf Höhe der Mittellinie auf und davon. Von Ronny Marcos fehlte jede Spur. Der vor Selbstvertrauen nur so strotzende „Blondschopf“ ließ das Spielgerät noch einige Male auftropfen, passte den perfekten Moment für den Abschluss ab und vollendete schließlich staubtrocken aus halbrechter Position flach ins lange Eck zum 2:0-Endstand (83.)! „Ich war total überrascht, wie viel Zeit ich da hatte, das habe ich erst gar nicht realisiert“, freute sich der 24-Jährige über die Freiheiten, die ihm gewährt wurden.

„Lassen die Kirche im Dorf“

Genau das Gegenteil war auf der anderen Seite der Fall. „Es ist mir ein Rätsel, wie wir in der Situation verteidigt und gegen den Ball gearbeitet haben“, befand Zinnbauer, dessen Spielanalyse wie folgt ausfiel: „Wir sind in der ersten Halbzeit eigentlich gut ins Spiel gekommen, oft fehlte der letzte Pass oder einfach nur der Abschluss. Man hat aber auch gesehen, dass der Gegner einen guten Lauf hat, sie haben eine gewisse Qualität und die nötige Erfahrung in der Mannschaft. Wir wollten mindestens einen Punkt mitnehmen, gehen mit ein bisschen Glück auch kurz nach der Pause in Führung. Viel zugelassen haben wir nicht, aber Norderstedt ist unheimlich abgezockt und abgewichst.“ Ein hochzufriedener Thomas Seeliger, der mit seinen Schützlingen wieder auf den Platz an der Sonne springt, bilanzierte: „Die Jungs haben sich reingebissen und den Druck in der zweiten Halbzeit erhöht. Ich bin total stolz auf die Mannschaft, jetzt freuen wir uns, das Derby vor einer tollen Kulisse gewonnen zu haben und genießen es auch. Aber wir lassen die Kirche im Dorf.“

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